„... und sollst blühen wie eine Rose“
Wer im Sommer unseren Friedhof hier an der Katernberger Straße besucht, kommt in den Genuss einer wunderbaren Rosenpracht.
Man muss ja nicht gleich dem Essayisten Gerhard Nebel (1903-1974) folgen, der diesen Friedhof so charakterisierte:: „...Reihe auf Reihe von schlichten ... waagerechten Steinplatten, kein Selbstruhm, sondern nur Namen und Daten, überhaupt keine Absicht, etwas Schönes zu leisten – und darum ist es wohl der schönste Ort des Wuppertals geworden“ (Merianheft, 6. Jg. Nr. 7).
Aber kaum ein Besucher kann sich der beeindruckenden Schlichtheit dieses Ortes, der zur Stille und Besinnung einlädt, entziehen.
Viele Menschen kennen den Friedhof der „Niederländer“. Aber nicht alle werden wissen, welches biblische Motiv bei der Friedhofsgestaltung zugrunde liegt. In alter Lutherübersetzung heißt es in Hosea 14, 6:
Dieses Verheißungswort ergeht an das Gottesvolk in einer politisch brisanten, geradezu ausweglos erscheinenden Lage. Israel hatte sich fremden Göttern an den Hals geschmissen.
Nun mussten die Propheten Israel wissen lassen: „Du stürzt über deine eigene Schuld!“ Doch inmitten dieser harten Wirklichkeit brennen jetzt die Worte aus dem Hoseabuch wie ein Leuchtfeuer in der Nacht. Gott selber will die Abtründigkeit seines Volkes heilen. Gott sucht in bedingungsloser Liebe jene Menschen, die nichts mehr von sich selber und auch nichts mehr von Gott erwarten. Gescheiterte Menschen dürfen sich als von Gott geliebte Menschen entdecken. Von der Angst geplagte Menschen sollen wieder aufatmen. Sogar die Angst vor dem Tod muss klein werden, denn das genannte Bibelwort „atmet Auferstehung“!
Auf diesem prophetischen Hintergrund hält uns der Friedhof im Briller Viertel eine stille Rosenpredigt! Die Rosen, Zeichen der Liebe, weisen uns auf eine Liebe, die stärker ist als Scheitern, Tod und Trauer und laden uns ein, der Macht der Liebe zu trauen. Wir alle sind ohne Unterschied, ob groß oder klein, ob reich oder arm, auf Gottes Erbarmen angewiesen. Auch dieses „predigt“ uns der Friedhof in seiner durchgehend gleichen Gestaltung der Gräber.
Heinrich Lüchtenborg
(Der Friedhof wurde am 15. August 1851 eröffnet)